Seeberger in Ungarn

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Die Forschungen nach den ungarischen Seebergern ist eine sehr interessante, aber auch komplizierte Geschichte, die ich in kurzen Zügen erzählen möchte.
Es fing damit an, daß ich vor ca. 2 Jahren im Internet ein ungarisches Telefonbuch sah und was fand ich? Natürlich 4 Seeberger in Elek und Budapest, welche ich sofort anschrieb. Zum Glück hatte ich jemanden, der mir den Brief auf ungarisch übersetzen konnte. Fast zwei Jahre passierte nichts, bis ich Ende Januar ein Fax aus Elek bekam. Ein János (Johann Anton) Seeberger aus Elek schrieb mir und schickte auch einige Daten seiner Familie zurück bis 1807. Leider war meine Möglichkeit der Übersetzung nicht greifbar und so war ich dankbar, als ein Freund aus Tschechien mir sagte, daß er jemanden kenne... Also wurden die beiden Seiten erst einmal ins Tschechische und dann ins Deutsche übersetzt. Klingt einfach, war aber ganz lustig. So wurde das ungarische Wort Pasztor als Pastor übersetzt. Das kam mir komisch vor, denn dieser katholische Pastor hatte 6 Kinder! Das konnte geklärt werden, denn Pasztor bedeutet soviel wie Schafhirte.
Über das Fax fand ich einen Onkel des János in Heidelberg, der mir sofort ein Heimatbuch von Elek schickte, welches vor ca. 30 Jahren erschienen ist. Vielleicht werde ich noch einmal etwas ausführlicher über diesen Ort, seine Einwohner und über das, was nach dem Krieg dort geschah, berichten. Das ist eine längere Geschichte für sich voller Tragik bis dahin, daß die in Deutschland und Ungarn heute lebenden Seeberger keine Kontakte zueinander haben. Viele aus ihrer Heimat Vertriebene werden ähnliches erlebt haben. Nur soviel: Elek war seit ca. 1724 eine durch und durch deutschstämmige Stadt. Die Bewohner waren hauptsächlich aus Franken und Baden hierher angeworben worden und in zwei großen Trecks hierher gekommen. Der ungarische Einfluß war am Anfang gleich null, erst im Laufe der Zeit wurde er größer. Elek liegt direkt an der rumänischen Grenze, sodaß ich am Anfang annahm, daß es hier eine Verbindung zu den ca. 30Km entfernt in Arad / Banat lebenden Seebergern geben würde. Das war ein Irrtum.
Im Heimatbuch standen zwei wichtige Hinweise. Erstens wird der älteste Seeberger als Seburger erwähnt, der aus Saroksár in Ungarn kommt, zweitens haben diese Seeberger bis in die Neuzeit den Beinamen die Schwäbischen geführt. Also gehörten sie nicht zu diesen beiden Trecks!
Die Mormonen konnten helfen, denn das Kirchenbuch aus Sároksar (quasi ein Vorort von Budapest) war schnell bestellt. Es beginnt leider erst 1743 aber immerhin fand ich die Geburt einer Anna Maria Seburger am 14.11.1743. Eltern waren Johanneß Georgius Seburger und seine Frau Anna Maria. Leider nicht mehr.
Dafür wurde ich in einer Ecke meines Computers fündig, denn in einem Buch über Schwäbische Auswanderer steht, daß 1724 ein Michael Seeberger aus Aulendorf (bei Bad Waldsee) mit seiner Frau Catharina Halder und den Söhnen Jörg, Joseph und Johannes nach Ungarn ausgewandert sind. Jörg ist wohl der gesuchte Joh. Georgius, der 1713 geboren sein müßte. Das muß ich im Archiv in Rottenburg selbst einmal verifizieren.
Aulendorf bringt sofort die Verbindung nach St. Jacob in Tirol und richtig, dort gab es einen Michael, welcher 1649 geboren wurde. Im ersten Moment ein Schönheitsfehler, er war verheiratet und hatte zwei Töchter. Über seinen Verbleib und dem der Frau ist nichts bekannt, sie sind auf jeden Fall weggezogen. Irgendetwas ist da in Aulendorf passiert, womöglich ist die erste Frau dort gestorben? Denn merkwürdig ist, daß beide Töchter wieder zurück nach St. Jacob gekommen sind! Das muß er einfach sein.
In Elek hat sich der Name mehrfach verändert. Es tauchen u.a. folgende Schreibweisen auf: Seburger, Seeburger, Sehburger, Szeberger, Szeperger, Szeberg, Seberger, Szeeberger, Sehberger, Szehberger und ab ca.1810 setzt sich dann der Name Seeberger durch. Zur Zeit werte ich noch die Kirchenbücher aus, aber es ergibt sich schon ein abgerundetes Bild.
1943 gab es in Elek eine Umfrage, welche Familie sich als Deutsch und welche sich als Ungarisch versteht. Und so wurden 1946 alle damals als Deutsch bezeichneten Familien (die überwiegende Mehrzahl) in vier Trecks nach Deutschland in Güterzügen Transportiert und in den Raum Heidelberg - Mannheim gebracht. Der Name war egal und so sind auch solche mit voll ungarischen Familiennamen deportiert worden. Daraus erklärt sich, warum heute noch Seeberger in Ungarn leben.

Heute leben folgende Nachkommen des Johann Georg Seeberger (Seburger), von denen ich bisher 168 Nachfahren ermitteln konnte:

Seeberger, Christian     in D-69181 Leimen
Seeberger, János       in H- 5742 Elek
Seeberger, János       in H- 5742 Elek
Seeberger, Johann      in D-97204 Höchberg
Seeberger, Josef        in D-69124 Heidelberg
Seeberger, Lászlóné     in H- 5742 Elek
Seeberger, Robin       in H- 1052 Budapest (Verbindung noch nicht verifiziert)
Seeberger, Wilhelm      in D-97204 Höchberg